75 Jahre VfR Sauldorf

Wenn wir im Jahre 2006 das 75jährige Bestehen des VfR Sauldorf feiern, so wissen wir, dass es eine kurze Zeit ist im langen Weg des zu allen Zeiten ausgeübten Sportes.
Bereits auf assyrischen, ägyptischen und griechischen Reliefs werden Ballspiele mit Füßen und Schenkeln dargestellt. Auch in Italien finden wir besonders in Florenz im 16. Jahr- hundert diesen Sport wieder bestätigt, wo auch schon 1580 Spielregeln schriftlich niedergelegt worden sind, und Spielzeiten auf die Zeit von Dreikönig bis Fastnacht beschränkt waren. In England schließlich ist das Fußballspiel schon im 12. Jahrhundert erwähnt und 1831 ist es bereits in den weltbekannten Schulen von Eton, Westminster u.a. allgemein üblich. Allgemein gültige Spielregeln über ,,Football" waren eingeführt. In Deutschland schließlich wurde das Fußballspiel durch Koch zuerst an den Schulen in Braunschweig eingeführt und 1878 erfahren wir schon von dem ersten Fußballverein Hannover, dem bald andere folgten. Schließlich wurde in Leipzig im Jahre 1900 der Deutsche Fußballbund ins Leben gerufen und schon 1902 konnte die erste Meisterschaft ausgetragen werden.
Länderspiele wurden schon etwas früher versucht und sind nach Stiftung des ,,Kronprinzenpokals" im Jahre 1907 in der Folgezeit regelmäßig ausgetragen worden.
Interessanterweise kam nun der Fußballsport nach Sauldorf nicht von einem einheimischen Verein sondern wurde importiert vom Kernland dieses Sportes, von England.

Gründungsteam

Der inzwischen längst verstorbene Landwirt Josef Back, hatte damals einen landwirtschaftlichen Praktikanten, der nach Ende des 1. Weltkrieges lange Zeit in englischer Gefangenschaft verbrachte. Hier hat er auch den Fußballsport kennen gelernt und sich dafür begeistert. Da er dem Sport mit Leib und Seele anhing, konnte er es begreiflicherweise auch nicht lassen, als er dann seinen Dienst in Sauldorf antrat. Begünstigt in seiner Liebe zu diesem Sport wurde er durch den Umstand, dass sein Arbeitgeber zwei schulpflichtige Söhne hatte, nämlich Anton und Albert Back, die er bald als Partner gewann und zur Freude ihres Lehrmeisters eben in dem Alter waren, wo sie sich für diesen Sport begeistern ließen. Bald sah man auch einige andere Schulkameraden, die sich anschlossen und mitmachten. Gespielt wurde verständlicherweise erst nur in den Hofgrundstücken, in Obstgärten und Wiesen. Es bildete sich aber immer mehr eine eingeschworene Mannschaft heraus, die mit Kraft und Unternehmungslust dabei war. So war es kein Wunder, sondern nur der natürliche Werdegang, wenn sich diese von Aktivität und Begeisterung angetriebene Mannschaft im Jahre 1931 zu einem formellen Verein zusammenschloss. Dies geschah damals unter dem Namen DJK, einer neben der KKV und den Pfadfindervereinigungen größten deutschen Jugendverbänden. Die Gründungsversammlung wurde abgehalten in der lange Zeit als VereinsIokal dienenden Wirtschaft ,,Krone" und mit dem Vereinswirt Reichle, dessen Nachfolger Wilhelm Reichle der bereits verstorben ist, Ehrenmitglied im Verein war.. Als Farbe für die Sportkleidung wurde grün-weiß beschlossen, die bis heute beibehalten wurde.

Als Gründungsmitglieder und erste Spieler waren anwesend:
Gründungsmitglieder u. Spieler:

Back, Fritz - Brütsch, Albert - Hipp, Johann - Margraf, Erwin - Kreß, Heinrich - Back, Anton - Back, Albert - Boos, Johann - Gabele, Siegfried - Hafner, Max - Matheis Arthur - Noll, Ludwig - Schellinger, Johann - Schmid, Philipp

Im selben Jahre konnte schon das erste Wettspiel gegen den Nachbarverein Bichtlingen ausgetragen werden. Bichtlingen hatte unter Führung von Fritz Hensler bereits eine DJK. Das Spiel fand in der Nähe des Bahnwärterhauses auf einer gemieteten Wiese statt und sah erst nach unentschieden aus. Durch eine Spielverlängerung glückte es den Sauldorfern, noch zu gewinnen. Der erste Pokal war in ihrem Besitz und damit ein Grund für weiteren Ansporn und Quelle zur Freude am Spiel. Dieser erste Sieg wurde sodann auch würdig gefeiert. Mit Musikbegleitung zogen beide Mannschaften zum Gasthaus Hirschen in Wackershofen. Der alte, heute noch stehende Birnbaum im Hofe vor dem Gasthaus könnte noch manches von Begeisterung, Freude, Gesang und Umtrunk erzählen.
Der große Start war gelungen und auch Nichtmitglieder wurden sportbegeistert, was sich in Spenden, Beihilfen und Stiftung von Pokalen zeigte. Schon bald sah man den Sportverein Sauldorf auch auf den Plätzen in Zoznegg, Zizenhausen, Liggersdorf, Mindersdorf, Boll, Schwandorf, Walbertsweiler und Menningen zu Gast- und Pokalspielen.
Die Wege dahin mussten oft zu Fuß oder höchstens mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Es war keine Seltenheit, wenn auf einem Rad zwei und drei auf den damals noch ungeteerten Wegen sich mühsam fortbewegten. Aber die Begeisterung trieb an und gab Ausdauer und Kraft, denn bald hatten 8 Pokale im Vereinslokal Siege verheißen und riefen zu neuen auf.
Trotz aller Begeisterung konnte sich der Verein seines zugelegten Namens DJK nicht lange erfreuen. Durch äußeren Druck des sich stets härter durchsetzenden Nationalsozialismus mit seiner Uniformierung und Gleichschaltung aller Vereine und Verbindungen in ihm gemäße Organisationen fand auch die DJK ihr Ende. Den Namen konnte man zwar verbieten und ,,gleichschalten". Der Geist blieb äußerer Macht entzogen.
Unter dem Namen ,,Fußballclub Sauldorf" ging es weiter bis auch die letzten damaligen Mitglieder und Spieler ihren grün-weißen Sportdress mit der Uniform des RAD und dem Soldatenrock eintauschen mussten. Der Spielbetrieb kam wie vieles andere durch den unseligen Krieg zum erliegen.
Leider sind viele Spieler aus dem Krieg nicht wieder heimgekehrt und haben in fremder Erde ihr Grab gefunden. In den Herzen der alten Spieler aber sind ihre Namen noch wach und sollen durch diese Zeilen auch der jungen Mannschaft noch stete Erinnerung sein. Es sind dies:
Back Anton und Back Albert, Matheis Arthur, Häusler Hermann, Rokweiler Josef, Hafner Max und Hafner Berthold, Martin Gerhard, Schellinger Klemens.
Trotz aller Dezimierung durch 6 Kriegsjahre und nachfolgender Gefangenschaft haben sich die wenigen heimgekehrten Spieler wieder aufgerafft und zusammen mit jüngeren Kameraden aufs Neue sich organisiert. Mit neuen Mitgliedern zwar, aber im alten Geist trat der Sportverein wieder neu ins Leben und hat sich 1946 unter dem Namen VfR (Verein für Rasenspiele) eine neue Satzung gegeben. Die alte Tradition lebte in den alten Farben grün-weiß wieder auf. Auch das alte Vereinslokal ,,Krone" mit seinem Vereinswirt Reichle kam wieder zu Ehren. Der Verein wurde beim Amtsgericht Meßkirch in das Vereinsregister eingetragen und war fortan auch korporatives Mitglied beim Südbadischen Fußballverband e. V. mit Sitz in Freiburg.
Eine neue und feste Mannschaft hat sich wieder gebildet. Mit zu den ersten und gleichsam 2. Gründungsmitglieder unter dem Namen VfR gehörten: als treibende Kraft wieder Fritz Back und weiter Bernhard Mühlherr, Gebhard Schellinger, Sigmund Back, Gabele Karl, Kuri Karl, Weiß Alfred, Schellinger Paul, Braitsch Erich, Kaiser Erwin, Back Siegfried, Hipp Johann.
Sie alle haben unter immer wieder besonderem Einsatz des Gründungsmitgliedes Fritz Back dazu geholfen, dass der Verein wieder Tritt fassen konnte, ja sich mit der Zeit von der C-Klasse zur A-Klasse emporarbeiten konnte.
Wenn auch die alten Pokale der Vorkriegszeit abgegeben werden mussten und der Marsch auf das Rathaus zur Ablieferung einem Leichenbegräbnis gleich kam, es wurden neue Pokale erkämpft und neuer Geist und neues Leben blühte aus den Ruinen.
Äußere Zeichen lebendigen Sportbewusstseins sind die vielen Spiele weit über die Grenzen hinaus, das Sportfest anlässlich des 25-jährigen Bestehens, die Verschönerung und Vergrößerung des Sportplatzes mit einer Neueinsaat der Spielfläche, Austrainierung und Bepflanzung im Außenbereich bis zu dem neuen zur Einweihung stehenden Sportheims, das in Zusammenarbeit mit dem Tennisclub errichtet wurde.
Es war ein langer und oft schwieriger Weg, den Platz zu seiner heutigen Form zu bringen. Einst beim Bahnbau als Kiesgrube benutzt zur Materialgewinnung, dann wegen der geringen Dichte als Kiesgrube wieder eingestellt und als Streuwiese genutzt mit jährlicher Neuverpachtung ihrer Nutzung, endlich 1922 als Schulsportplatz teilweise genutzt in seinem vorderen Teil entlang der L 198 a und zuletzt dann bei Gründung des Vereins als Spielfeld genommen.
Allein schon diese mühevollen Arbeiten sind Zeugnis genug für den Eifer und das unermüdliche Wirken und Schaffen im Geiste des Sportes und der damit einig gehenden Kameradschaft. Die Stärke und Geltung des Vereins geht auch aus der stets zunehmenden Mitgliederzahl hervor. 1963 zählte der VfR noch 55 Mitglieder, die sich bis zum Jahre 1979 genau auf 110 verdoppelt haben, wozu noch 37 Mitglieder aus der Frauen-Gymnastikgruppe kommen, die sich formell dem Verein angeschlossen haben.

Geschrieben von unserem verstorbenen Ehrenmitglied Johann Schäfer.(im Mai 1981)

Bisherige Vorstände des Vereins nach Wiedergründung 1946:

1946 - 1948 Bernhard Mühlherr
1948 - 1955 Fritz Back
1955 - 1960 Robert Back
1960 - 1962 Wilhelm Reichle
1962 - 1967 Fritz Back (ab 1967 Ehrenvorsitzender)
1967 - 1971 Bernhard Mühlherr
1971 - 1979 Fritz Back
1971 - 2007 Anton Rothengaß
seit 2007 Ulrike Rothengaß

Termine

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